Wissenschaftliche Poster

Das 1. Nürnberger Forum für Kunsttherapie und Wissenschaft am 17./18.9.2021 bot Kunsttherapeut_innen sowie Kolleg_innen aus anderen Gesundheitsberufen die Möglichkeit des Austauschs über Forschungsthemen und -projekte sowie zur interdisziplinären Vernetzung.
Dank der namhaften Referent_innen war es möglich, die große Bandbreite wissenschaftlichen kunsttherapeutischen Arbeitens zu beleuchten.
In diesem Rahmen fand zudem eine Präsentation wissenschaftlicher Poster mit Preisverleihung statt.

Wir freuen uns darüber, hier an dieser Stelle die prämierten Poster vorstellen zu können:

 

1. Platz
Katharina Hamburg
Wissenschaftliche Forschungsmethoden in den Kunsttherapien.
Inwieweit ist eine Implementierung künstlerischer Therapieverfahren in das deutsche Gesundheitswesen möglich?

In meiner Masterarbeit geht es einerseits um die Forschung in den Künstlerischen Therapien in Deutschland innerhalb der letzten 30 Jahre und andererseits um einen breiteren Anschluss an das deutsche Gesundheitswesen und damit einhergehenden Herausforderungen auf gesundheits- und berufspolitischer Ebene.
Im aktuellen Forschungsparadigma in Deutschland, das evidenzbasierte und randomisierte Forschungsmethoden fordert, können die Künstlerischen Therapien mit ihrem Forschungsstand im Gesundheitswesen nicht breiter implementiert werden.
In verschiedenen Publikationen werden Bedenken geäußert, dass durch unachtsames Übernehmen standarisierter und randomisierter Verfahren das Wesentliche der Therapie wegfällt und damit auch nicht belegt werden kann.
In der neueren Literatur und in den geführten Interviews wird daher vielfach auf Mixed Methods (qualitative und quantitative Methoden) verwiesen. In Kombination mit eigenen klar definierten kunsttherapeutischen Methoden können Mixed Methods eine zukunftsfähige Vorgehensweise sein. Die Ergebnisse der Interviews haben zudem verdeutlicht, dass sich die Gemeinschaft der Künstlerischen Therapien interdisziplinär stärker vernetzen und praxisorientierter Forschung betreiben muss.
Zusätzlich ist es wichtig, dass Fachverbände und einzelne Institutionen nach innen gemeinschaftlicher denken und nach außen sichtbarer auftreten und AbsolventInnen und junge ForscherInnen unterstützen.

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2. Platz
Franziska Bühler, Beatrix Evers-Grewe, Manuel Just
Versorgungsforschung zu den Künstlerischen Therapien in der psychosomatischen Rehabilitation in Deutschland

Eine Studie zur Versorgungsforschung, welche die Einbindung der Künstlerischen Therapien in der psychosomatischen Rehabilitation in Deutschland abbildet befindet sich aktuell in der Planungsphase. Es werden dabei Aspekte der Berufsgruppenanalyse Künstlerische Therapeut*innen (vergl. Oster et al 2014) aufgegriffen. Entstehen soll ein vertiefter Überblick in das Arbeitsfeld der Künstlerischen Therapeut_innen (Kunsttherapie, Musiktherapie, Tanztherapie, Eurythmie, Theatertherapie/ Dramatherapie, Sprachgestaltung) in der Psychosomatischen Rehabilitation.
Ein zweistufiger quantitativer Fragebogen wird als Erfassungsintrument entwickelt. Bogen 1 ist für Chefärzte von Kliniken vorgehsehen: Er umfasst allgemeine Angaben, das vorhandene künstlerisch therapeutische Angebot, die Vernetzung, die Klinikstrukturen und Entwicklungspotentiale (28 Fragen, 215 Antwortmöglichkeiten). Bogen 2 ist für Künstlerische Therapeut_innen der Kliniken konzipiert. Er beinhaltet allgemeine Angaben, zugewiesene Diagnosen, Setting, Vernetzung, Klinikstrukturen, Rahmenbedingungen und die Vergütung (54 Fragen, 465 Antwortmöglichkeiten).
Die Fragebögen werden digital über die Deutschen Gesellschaft für Klinische Psychotherapie, Prävention und Psychosomatische Rehabilitation (DGPPR) an 256 psychosomatischen Reha-Kliniken deutschlandweit verteilt.

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3. Platz
Svea Schüßler
Bild-Resonanz-Post
Beziehungen aus der Ferne dialogisch gestalten.
Eine explorative Einzelfallstudie mit siebenn Fernbeziehungspaaren.

Der Einsatz kunsttherapeutischer Methoden im Bereich Gestaltung von Paarbeziehungen ist bisher nur wenig erforscht. Insbesondere im Hinblick auf den Nutzen von Kunsttherapie bei Fernbeziehungen liegen noch keine Erkenntnisse vor.
Mittels explorativer Fragestellung wurde untersucht, inwiefern ein sechswöchiger Austausch mittels einer analog gestalteten Brief-Dialog-Post dazu beitragen kann , eine Änderung des Beziehungserlebens und Kommunikationsverhaltens von Paaren, die in einer Fernbeziehung leben, zu bewirken. Berücksichtigt wurden dabei sowohl Paare einer Liebesbeziehung als auch anderer Formen eines vertrauten Zweierverhälntnisses.
Die Erfahrungen der Teilnehmenden wurden schriftlich in Form von Fragebögen festgehalten. Die Antworten wurde mit Hilfe der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring evaluiert.
Die Ergebnisse bieten vielversprechende Ansatzpunkte zum Einsatz sowie zur Weiterentwicklung der Projektidee. Es konnte bestätigt werden, dass die Teilnehmenden ihre Beziehung durch die gemeinsame Gestaltung als gestärkt erlebten und der kreative Austausch partiell zu intensiveren und in Teilen qualitativ hochwertigeren Gesprächen führte. Die Ergebnisse sollten daher in weiteren Studien mit spezifischeren Stichproben und Settings überprüft werden.

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